Institut für Lösungsorientiertes Malen

Der Traum


Unsere wichtigste Entdeckung in der Traumarbeit war, dass es tatsächlich nur wenige Traumbilder gibt, die sich zur Bearbeitung mit dem LOM-Malen eignen. Das Traumgeschehen ist eine Abfolge von bewegten Bildern. In einem gemalten Bild kann echte Bewegung nicht dargestellt werden, sondern es können nur unbewegte Bilder von einem sich nicht bewegenden Blickpunkt aus gemalt werden. Und es kann nur das gemalt werden, was auch tatsächlich gesehen wurde, also nicht das, was im Traum geahnt, gewusst, gefühlt, gespürt wurde.
Die malbaren Traumbilder werden meistens aus der Nähe gesehen, so, als ob sie heran gezoomt worden wären. Diese oft nebensächlich oder  langweilig erscheinenden Bilder, gesehen aus den Augen der träumenden Person, sind für das LOM geeignet – sie sollen gemalt werden, denn gerade sie können uns zu einer Kernaussage des Traumes führen.

Träume weisen in drei wichtige Richtungen:
Sie decken einen Beziehungskonflikt auf
Sie weisen auf ein Trauma hin
Sie zeigen eine neue Perspektive

Die junge Frau träumte: Ich bin an einer Art Casting Show wie The Voice of Switzerland. Ich sitze auf der Seite der Kandidaten gegenu?ber der
Jury. Mit sicherem, bestimmten Griff und schneller Reaktion schnappe ich mir das Mikrofon in der Luft – gerade wie einen
Brautstrauss. Nun sollte ich singen. Es verlässt mich der Mut. Schnell gebe ich das Microfon an meine Nachbarin weiter. Dann bereue ich es schon.

Wirklich gesehen hat sie ihre Hand mit dem Mikrophon darin.



Als nächstes fragten wir sie: Wessen Hand ist das? Male das Portrait.
Ohne zu wissen wen sie malt wurde von innen nach aussen langsam malend ein Portrait entwickelt. Irgendwann in diesem Prozess erkannte sie ihren Vater.

Auf dem Portrait erschien der Vater im Alter, als er wieder heiratete. Die Mutter hatte Suizid begannen als die junge Frau 2.5 Jahre alt war. Der Vater starb, als sie acht Jahre alt war. Sie spürte starke Trauer

Diese Trauer wurde mit einer Metapher bearbeitet.



Danach wurde es etwas ruhiger, weitere Erinnerungen folgten. Zum einen wurde die Beziehung zum Vater geklärt, andere Erinnerungen in diesem Zusammenhang führten zur Bearbeitung von Traumata. Das Traumbild hatte direkt zu zentralen Themen der Träumenden geführt.


(Siehe Egger/Merz: „Lösungsorientierte Maltherapie“ Huber Verlag 2013)